Goldener Ehrenring 2011 für Otto Künzli, München
Mit dem Goldenen Ehrenring als Zeichen des Dankes und der öffentlichen Anerkennung würdigt die Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. das künstlerische Wirken des Goldschmieds Prof. Otto Künzli in München.
Otto Künzli, 1948 in Zürich geboren, gilt als wichtiger Erneuerer und Provokateur der modernen Schmuckkunst, die in München Ende der 1960er Jahre ihren Anfang nahm. Seit 1991 vermittelt er als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München eine neue Form des Schmuckdenkens – Schmuck als Medium zur Vermittlung von Botschaften. Mit seinem Schmuck setzt Künzli Zeichen: Das scheinbar schöne Geschmeide wird durch subtile, gesellschaftskritische Anmerkungen zum künstlerischen Statement. Seit vielen Jahren setzt sich der Goldschmied Künzli mit der ästhetik der japanischen Kultur auseinander, sie ist für ihn "eine beständige Herausforderung und Quelle der Inspiration" (Ellen Maurer Zilioli). Otto Künzli wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen bedacht, zuletzt wurde er mit dem Schweizer Grand Prix Design ausgezeichnet. Seine Arbeiten sind in den weltweit bedeutendsten Museen und zahlreichen Privatsammlungen vertreten.
Die Künstlerin Tone Vigeland aus Oslo, Norwegen, Ehrenringträgerin des Jahres 2008, fertigte den Ehrenring für Künzli aus 18 Karat Gold mit der künstlerischen Gestaltung des Adlers (Foto anbei).
Die Verleihung des Ringes findet in feierlichem Rahmen im Kurhaus Wilhelmsbad in Hanau statt, die Laudatio hält Prof. Dr. Florian Hufnagl, Leiter Die Neue Sammlung, The International Design Museum Munich.
Die Musiker und Komponisten des Abends sind Elisabeth Krause, John Stobart, Corinna Schmitz sowie Kent Carlson und Andreas Hepp. Eigens für den Abend komponierte Musik wie das Werk "Chysauster" werden aufgeführt, das den Namen einer Siedlung aus der Bronze-Zeit in der Heide von Cornwall trägt, wo Erze abgebaut wurden, die bis in den Mittelmeerraum ihren Weg gefunden haben.
Vor beinahe 80 Jahren, im Jahre 1933, hat die Gesellschaft für Goldschmiedekunst zum ersten Mal den Goldenen Ehrenring, die höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst, vergeben. Franz Rickert aus München erhielt damals im Alter von 29 Jahren diese Auszeichnung.
Der Stifter des Goldenen Ehrenrings und zugleich Gründer unserer Gesellschaft, Ferdinand Richard Wilm, legte damals in einer Urkunde das Anliegen und Aussehen des Goldenen Ehrenrings fest: "Der Sinn dieser Stiftung ist die Förderung der Goldschmiedekunst und die Pflege ihrer alten Tradition durch die Ehrung, wie sie die Verleihung des Goldenen Ehrenringes hervorragenden Persönlichkeiten zuteil werden lässt. Sie verpflichten sich, selbst in besonderem Maße dieser Aufgabe zu dienen. Der Ehrenring trägt als Symbol den Adler mit ausgebreiteten Flügeln, ferner den Namen oder die Buchstaben der Gesellschaft für Goldschmiedekunst und den Namen des Trägers und die Jahreszahl der Verleihung eingraviert. Der Ring ist in Gold anzufertigen. Innerhalb dieser bindenden Rahmenbestimmungen aber sind jedem einzelnen alle Freiheiten der Gestaltung und der technischen Ausführung gegeben".
Längst geht es nicht mehr nur um die "Pflege alter Tradition", sondern es gilt den Aufbruch und die Neuerungen der letzten Jahrzehnte in der Schmuckkunst anzuerkennen. Dies haben bereits die Ehrenringe der vergangenen Jahre bewiesen, die Verleihung des Ringes an Otto Künzli steht erneut für die Wertschätzung der zeitgenössischen künstlerischen Schmuckgestaltung.
In den ersten Jahren wurde der Ehrenring in der Werkstatt Wilm geschaffen, schon bald wurde aber dem jeweils Ausgezeichneten diese Aufgabe übertragen. Inzwischen sind 40 Goldene Ehrenringe von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt geschaffen worden, Ringe, die ein Stück Schmuckgeschichte geschrieben haben. Denn jeder Ring ist ein kleines Kunstwerk, das in den unterschiedlichsten Goldschmiedetechniken geschaffen wurde und durch die persönliche Handschrift des gestaltenden Künstlers oder der Künstlerin in der freien Umsetzung des Adlersymbols zu einem Zeugnis der Goldschmiedekunst ersten Ranges geworden ist.
Seit 1933 wurde der Ehrenring an 39 international anerkannte und hochgeschätzte Gold- und Silberschmiede aus dem In- und Ausland überreicht. Zu den Ausgezeichneten zählen unter anderem Hermann Jünger (D), Friedrich Becker (D), Bruno Martinazzi (I), Anton Cepka (Slowakei), Yasuki Hiramatsu (JAP), Michael Rowe (GB) und Peter Skubic (A).
Der Kreis der Ehrenringträger wählt alle drei Jahre einen neuen Träger, der zuletzt ausgezeichnete Künstler kreiert den Ehrenring für seinen Nachfolger.
Die Verleihung des Ehrenrings fand bis 1947 alljährlich in Berlin, dem Sitz der Gesellschaft statt. Die nachfolgenden Ehrenringverleihungen wurden dann im Hamburg abgehalten, wohin die Gesellschaft kriegsbedingt umziehen musste. Seit 26 Jahren hat die Gesellschaft für Goldschmiedekunst ihren Sitz in Hanau. Traditionell fand der Festakt der Ehrenringverleihung immer im Roten Saal des Schlosses Philippsruhe statt. Mit der Fertigstellung der umfangreichen Sanierung des Arkadenbaus, dem baulichen und gesellschaftlichen Mittelpunkt der Kuranlage von Wilhelmsbad entschloss man sich in diesem Jahr, das Ambiente zu wechseln. Nicht zuletzt auch um den Gästen aus Nah und Fern ein weiteres Highlight der Hanauer Geschichte vorzustellen: Das Kurgebäude Wilhelmsbad, das zwischen 1777 und 1785 als vornehmer Badeort für die höfische Gesellschaft und das aufstrebende Bürgertum entstanden war. Neben dem Arkadenbau zählen unter anderem das bis heute als Theater genutzte Komödienhaus, der Kavalierbau und der Fürstenbau zu den erhaltenen Pavillonbauten.
Mit der Verleihung des Goldenen Ehrenrings an Otto Künzli haben acht Ehrenringträger und Ehrenringträgerinnen einen Mann gewählt, der sich seit vielen Jahren als Goldschmied, Schmuckgestalter und Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München für die Erneuerung der Schmuckgestaltung einsetzt und dem Autorenschmuck weltweit zu seiner verdienten Anerkennung verhilft.
Mit der überreichung des Goldenen Ehrenrings an Professor Künzli durch Tone Vigeland wird der Kreis der Ehrenringträger und Ehrenringträgerinnen um eine Persönlichkeit der Schmuckszene reicher.
Anlässlich der Ehrenringverleihung werden im Deutschen Goldschmiedehaus vom 27. Mai bis 9. Juni Ringe aus der Reihe "Hana-bi" gezeigt, die Otto Künzli zwischen 2008 und 2011 aus Binchotan, einer besonders harten Holzkohle aus Japan, fertigte.
Weitere Informationen:
Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. Tel. 06181-256556, Fax 06181-256554
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