Verleihung des Goldenen Ehrenrings 2008 an Tone VigelandTone Vigeland studierte 1956 an der Statens-Høndverks-og-Kunstindustriskole (Nationale Norwegische Hochschule für Kunst, Kunsthandwerk und Gestaltung). Ein Jahr später wechselte Tone Vigeland in einen Goldschmiede-Kurs an der Oslo Yrkesskole (Osloer Berufsschule), durch den sie die nötigen berufsqualifizierenden Bescheinigungen erhalten sollte. Noch in ihrem ersten Jahr an der Oslo Yrkesskole präsentierte Vigeland ihre erste Schmuckkollektion auf der jährlichen Ausstellung von Arbeiten der Studenten. Ihr Schmuck erregte einiges Aufsehen. Zum ersten Mal wurden hier Vigelands Ohrringe mir ihren klaren, einfachen, modernen Linien als Verkörperung des zeitgenössischen Trends im skandinavischen Schmuckdesign bezeichnet.
Ab 1961 schuf sie eine Serie von Halsschmuck und Ohrringen, bestehend aus Anhängern mit vielen einzelnen Elementen, die durch Silberstäbchen verbunden sind. Diese erinnern sowohl an das Silber, das man an traditionellen norwegischen Trachten findet, als auch an klassischen indianischen Schmuck. Ein weiteres Lieblingsmotiv dieser Zeit ist die Spirallinie – meist in Gold. Das Gold wurde zu engen Spiralen geschmiedet, die sich um Finger und Handgelenke wanden, oft mit einem Mondstein als Anhänger, der dem Ganzen als besonderer Akzent den letzten Schliff gab. Bereits hier bewegt sich Tone Vigeland offensichtlich weg vom skandinavischen Design mit seinem strengen Stil.
Bei der ersten Einzelausstellung von Tone Vigeland 1967 im Kunsternes Hus in Oslo, wurden innovative Ringe, Armreifen und Ohrringe gezeigt. Sie wich zum ersten Mal von dem ab, was zu ihrem Markenzeichen geworden war: der geschmiedeten Linie. Sie hatte viele kleine Ringe miteinender verbunden, um ein fließendes Maschengeflecht mit Perlen und Amethysten zu schaffen. Der Schmuck folgte nun den Linien des Körpers, ein Thema, das in Vigelands Werk immer zentraler wurde.
1976 begann Vigeland wieder, viele kleine Ringe zu einem Maschengewebe zusammenzufügen. Die Matten aus Maschengewebe können in verschiedenen Richtungen gedreht werden und folgen gleichzeitig den Linien des Körpers. Sie liegen schwer in der Hand, und das Endergebnis erinnert an gestricktes Metall oder Kettenhemden. Diese beiden einfachen Entdeckungen – das Maschenwerk und das Element der Wiederholung – wurden zu Schlüsselfaktoren in der Entwicklung von Tone Vigelands Schmuck. Es entstanden breite Armbänder, bestehend aus abwechselnden Bändern aus flexiblem Maschengewebe und Reihen von Silberperlen, auf Ketten aufgezogen. Teile der biegsamen Maschen sind mit kleinen goldenen Plättchen, Perlen und Silberplättchen, was Variationen in der Oberflächenbeschaffenheit erzeugt. Mit diesen neuen wuchtigeren Stücken bewies Tone Vigeland, das sie Schmuck kreieren konnte, der den Zeitgeist widerspiegelte, indem er die Kombination von Schmuck und Körper in Bewegung betonte.
1980 bekam Tone Vigeland von Freunden einen großen, alten handgeschmiedeten Nagel geschenkt. Sie schuf daraus einen Halsschmuck. Daraufhin wurden für einige Jahre Nägel zum Leitmotiv ihrer Arbeit. Am bemerkenswertesten sind die feinen, fedrigen Formen, die sie aus kleinen blauschwarzen Stahlplattennadeln schmiedete.
1985 definierte Tone Vigeland das Verhältnis zwischen Basis und Struktur ihrer Stücke neu. Bis zu diesem Punkt war die biegsame Maschenunterlage in ihrem Schmuck immer sichtbar gewesen, aber nun begann sie, die verschiedenen Teile so eng aneinander zu setzen, dass die Unterlage überhaupt nicht mehr zu sehen war. Die Oberflächenstruktur und die Unterlage verbinden sich zu einem zusammenhängenden Ganzen. 1989 präsentierte Tone Vigeland Schmuck, bei dem sie ganz auf die Unterlage verzichtete. Die Stücke bestanden aus vielen kleinen quadratischen Plättchen, die durch winzige Ringe miteinander verbunden waren. Sie erinnerten an alte Schieferplatten auf einem gewölbten Dach oder an Gürteltiere.
Die Biegsamkeit dieser Stücke gab auch dem Licht viel Raum, mit den sich verschiebenden Ebenen, die Schatten, Dunkelheit und helle Spiegelungen zuließen.
Die expressive Qualität der Oberflächen ist eine wesentliche Folge der Tatsache, dass die Arbeiten aus einem einzigen, unendliche Male wiederholten Element bestehen. Die unzähligen Stäbchen, Stecker, Bänder, Perlen oder Metallscheiben bilden selbst die Oberfläche der Stücke. Und genau in diesen verschiedenen Oberflächen liegt der wesentliche Eindruck, den die Arbeiten hinterlassen: von Metallstreifen, die so eingesetzt sind, dass die Schmalseite nach vorne zeigt, um die Illusion tiefer Rillen in glatter Oberfläche zu erzeugen, bis hin zu dichten Teppichen aus Nägel, die Weichheit, Eleganz, Leichtigkeit erahnen lassen. Eine zerklüftete, scharfe Oberfläche, die durch Reihen über Reihen von Silberstiften entsteht, vermittelt Abstoßung und Gefahr, während die unebene Oberfläche aus einer Masse von Silbersteckern einen organischen, lebendigen Eindruck erweckt.
Die Wiederholung von einzelnen Elementen ist ein grundlegendes Merkmal von Tone Vigelands Kunst. Ihre Technik, viele identische Teile zusammenzubringen, um ein zusammenhängendes Ganzes zu schaffen, hat eine wichtige Auswirkung auf die Oberfläche und die Struktur ihrer Arbeiten – sie erzeugt Bewegung, Farbe und Nuancen von Licht und Schatten und ist Ausdruck der Beziehung zwischen dem Ganzen und seinen Teilen. So ebnet der Prozess der Wiederholung den Weg für eine große Vielfalt an Formen.
1995 präsentierte Tone Vigeland ihre erste Skulptur. Sie hatte die Form einer stoppeligen Kupferstruktur. Technik und Materialien stammen von ihrem Schmuck her, aber dies hier spielte sich auf einer viel größeren Ebene ab. Mehrere tausend Elemente waren so dicht aneinandergepackt worden, dass der Eindruck einer massiven Form entstand, was der Skulptur auch ermöglichte ohne Stütze zu stehen. Das Objekt erreichte seine endgültige Form ohne die Hilfe des menschlichen Körpers – es ähnelt eher einem Gefäß, einem Muff oder einem riesigen Seeigel.